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WESTFÄLISCHEN WILHELMS-UNIVERSITÄT ZU MÜNSTER, ANDREAS F. BEITIN

Andreas F. Beitin   (Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster)
1990


Wohl kein autoporträtatives Schaffen ist in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts derart mit einer expressiven Gesellschaftskritik, mit einer Anklage verbunden, wie das von Gottfried Helnwein. Der Künstler macht sich um einer schonungslosen Aussage willen zum schreienden, zum stellvertretend leidenden Objekt seiner Bilder: „Ich will mit meinen Bildern und Aktionen die Menschen aus ihrer Eingefrorenheit lösen, wenn auch nur eine Sekunde lang, will sie verunsichern und zu spontanen Reaktionen hinreißen. Verunsichern, aber nicht destruktiv. Die logische Denkfähigkeit soll zugunsten totaler Selbstöffnung kurz trocken gelegt werden“, stellte der österreichische Maler, Grafiker und Aktionskünstler Gottfried Helnwein zur Intention seines Werkes fest.
Helnweins Gemälde und Zeichnungen, die in der Tradition von Odilon Redon und Alfred Kubin stehen, zeigen mit hoher Suggestionskraft Szenarien von verletzten Menschen. Zunächst nur Kinder, dann auch Erwachsene in teils grotesken Posen, teils laut schreiend, teils in introvertierter Stille. Aber selbst wenn in ihnen nicht bildlich dargestellt geschrieen wird, so ist in den meisten Bildern ein stummer Aufschrei impliziert, der sich auf das ganze Werk überträgt


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